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Methadontherapie bei Krebserkrankungen

Neu Informationen über Methadontherapie bei Krebserkrankungen eingepflegt.

dl-Methadon in der Behandlung bösartiger Erkrankungen

Vorwort

Patientinnen und Patienten, die an einer bösartigen Krankheit leiden, sind eigentlich zu allem bereit, diese Erkrankung zu besiegen.

Sie unterwerfen sich daher oft jeglicher, auch nicht schulmedizinisch wissenschaftlich durch Evidenz nachgewiesener Behandlungsmethoden. Das reicht von Rebirthinggruppen über die nichtblutige Operation mit den Händen von Heilern, bis hin zur Einnahme von gesundheitsschädigenden Substanzen. Das einzige Ziel ist die Krankheit loszuwerden. Begleitet sind diese Krankheiten oft durch Siechtum und Kräfteverlust, schweren reaktiven Depressionen und kaum beherrschbaren Angstsyndromen.

In den letzten 40 Jahren, die ich überschaue, haben die Onkologen zusammen mit der Pharmaindustrie enorme Anstrengungen unternommen um bösartige Erkrankungen effektiv zu bekämpfen. Die Ergebnisse sind ermutigend, da heute viel mehr Krankheiten erfolgreich besiegt werden können und die Nebenwirkungen von Chemo-und Hormontherapie deutlich gesenkt worden sind, was die Lebensqualität der betroffenen Menschen erheblich verbessert hat.

Obwohl ich der schulmedizinischen Lehre angehöre, habe ich mich nie alternativen Heilmethoden verschlossen nach der Maxime: Medizin ist das was wirkt und nützt.
Wenn wir Medizin nur auf Evidenzbasis und Wissenschaft reduzieren, wird der Mensch in seiner Ganzheit oft zu kurz kommen. Die Psychosomatische Balance und das seelische Gleichgewicht des erkrankten Menschen in seiner Umwelt sind vor allem das Maß der Dinge.

Die Entdeckung von Frau Dr. Friesen, Rechtsmedizinisches Institut der Universität Ulm, das dl Methadon in der Lage sein könnte, und somit in der Kombination mit einer Chemotherapie und/oder einer effizienteren Schmerztherapie dem Patienten einen Vorteil in der Behandlung seiner Krankheit zu verschaffen, ist für sich genommen lediglich ein Lichtblick. Im Zusammenhang mit der explosionsartig verbreiteten Nachricht eine akute neue Hoffnung für alle verzweifelten Patienten, auf die sich plötzlich Hunderttausende – informiert über die social media und TV – gestürzt haben – zeigt wie groß der Bedarf an ärztlicher Zuwendung vor allen anderen Faktoren ist. Die Patienten suchen nach Vertrauen in die Medizin.

Die wissenschaftliche Grundlage waren molekularbiologische Studien, die gezeigt haben, das in diesen Versuchen Krebszellen durch die Hinzufügung von dl-Methadon, diese deutlich schneller zerstört wurden als ohne. Die Ergebnisse bedürfen natürlich der wissenschaftlichen Nachprüfung und Studien mit großen Patientenkollektiven. Jedoch: sollten sich diese Wirkungen dadurch belegen lassen, so wäre das eine Revolution in der Krebstherapie. Leider lassen wir Ärzte uns viel zu häufig auf die Evidenzfährte locken und vergessen dabei die Psyche der Patienten. Daher müssen wir den Wunsch des Patienten und seine Autonomie respektiert sich auch an den Strohhalm Dl-Methadon zu klammern und für eine sichere Basis der Akzeptanz oder der Ablehnung sorgen. Den Weg der Erprobung unter einer sorgfältigen evaluation dürfen wir uns jedoch nicht verbauen.

Da es jedoch nur wenige Ärzte gibt – hier in vorderster Linie die Medizinischen Zentren die in die Substitutionsbehandlung von Heroinabhängigen eingebunden sind – die ausreichend Erfahrungen in der Therapie und deren Nebenwirkungen mit dl-Methadon haben, muss hier eine Kooperation mit den Onkologen stattfinden, um die Therapie und deren Evaluation auf eine breite Basis zu stellen. Bedenkt man die wenigen Milliliter, die bei der Krebstherapie zurzeit von uns verordnet werden, wir behandeln pro Jahr Patienten mit über 800.000 ml, so bedarf es hier ausgedehnter multizentrischer Kollektive und eine staatliche Förderung der Studien, um die Therapie auf sichere Daten zu stützen.

Aus den eigenen Patientendaten können wir jetzt schon schließen, dass im Gegensatz zu anderen Analgetika die Schmerztherapie mit dl-Methadon äußerst nebenwirkungsarm ist. Die Mehrzahl der Patienten berichtet schon zu Beginn der Behandlung über ein subjektives positives Gefühl, das begleitet wird von einer deutlichen Reduktion der Angstgefühle und einer Besserung des körperlichen Befindens.

Unter Würdigung der bisherigen Resultate aus vielen Zentren unseres Landes, ist eine Ablehnung der Behandlung und gar Verteufelung der Anwendung von dl-Methadon eine vertane Chance auf eine Erweiterung einer effizienteren Behandlung von bösartigen Krankheiten zum Nutzen der Patienten.

Es muss jedoch verhindert werden, dass jeder Arzt der die Substitutionsberechtigung für Heroin besitzt als Experte für eine Methadonbehandlung im „off label use“ bei Krebspatienten gilt. Die Methadonverordnung sollte nur in den Händen von erfahrenen Ärzten liegen.